HOMBRE SUK für STADT.WAND.KUNST beim BALADK Festival in Jordanien

 

Stadt.Wand.Kunst kooperiert mit Baladk Festival

 

Bevor die diesjährige STADT.WAND.KUNST Mural Art Serie in Mannheim startet hat Lokalmatador HOMBRE SUK das erste Mural dafür bereits gemalt. Zusammen mit Sören Gerhold, dem Geschäftsführer der Alten Feuerwache Mannheim, flog der Künstler Pablo Fontangier nach Jordanien, um im Rahmen eines kulturellen Austausches beim 6. BALADK Festival in Amman auf Einladung ein Wandbild zu gestalten.

Das Festival fand vom 5. bis 10 Mai in der jordanischen Metropole statt und brachte europäische Künstler mit lokalen Protagonisten der regionalen Street Art Szene zusammen. Mit dabei waren in diesem Jahr neben HOMBRE unter anderem Lucie Legrand aka LIMA LIMA (Frankreich), Gustaf Engström (Schweden) und Dina Saadi (Dubai).

 

Das Video zur Entstehung

 

 

Das fertige Mural in Amman, Jordanien

 

Hombre Stadt.Wand.Kunst Baladk Amman Jordanien Pablo Fontangier alias HOMBRE SUK „BALIM“, Amman, Jordanien 2018

 

HOMBRE SUK gilt als einer der beliebtesten Character Maler Deutschlands. Aufgewachsen in Mannheim, wo er auch zum klassischen Graffitiwriting kam, entwickelte er über die Jahre, insbesondere für seine figurativen Bilder, einen unverwechselbaren Stil zwischen Comic, klassischen B-Boy Characters und Realismus. Seine STICK UP KIDS Crew vereint einige der bekanntesten Graffiti Artists Deutschlands und gilt auch international zu den herausragenden Crews in Style und Technik. Seine Malereien führten Pablo Fontangier inzwischen in nahezu alle wichtigen Graffiti-Metropolen und er ist ein beliebter Gast auf den bekanntesten Urban-Art Festivals weltweit. Im Rahmen des BALADK Kulturfestivals gestaltete er nun eine Fassade im Stadtteil Hashmi, die sich nach Vorgaben des Festivals mit dem Thema „People“ auseinandersetzt. Das Bild zeigt das großformatige Portrait einer jungen Frau in eben jener ergreifenden Mischung aus Fiktion und Realität.

 

Fotostrecke zur Enstehung des Murals

 

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Fotos: © Sören Gerhold, Alte Feuerwache Mannheim

 

Mit ihrem Besuch unterstrichen Sören Gerhold und Pablo Fontangier den Anspruch von STADT.WAND.KUNST, dass neben der kulturellen Förderung in Mannheim auch ein internationaler Austausch gefördert werden soll. So war mit dem Libanesen YAZAN HALWANI im Jahr 2017 ein Künstler aus jener Region zu Gast, die die beiden nun bereisten. Nachdem HOMBRE bereits 2015 auf Franklin ein Mural zu STADT.WAND.KUNST beisteuerte, war dieser Sprüheraustausch – der nur mit Unterstützung von BALADK, Alte Feuerwache Mannheim, Goethe Institut Amman und Montana Cans möglich gemacht wurde – sein zweites Bild im Rahmen dieses Events und eine beeindruckende Premiere für zukünftige, künstlerische Austauschprogramme dieser Art.

 

 

Interview mit dem Künstler HOMBRE SUK

 

Wie kam es dazu, dass du beim Baladk-Festival in Amman dabei bist? Bist du das erste Mal hier?

Da ich mit Stadt.Wand.Kunst schon allein durch Mannheim als Heimat eng verbunden und gleichzeitig Aktivist und Fan bin, hatte ich das Glück die Anfrage auf den Tisch zu bekommen. Gerade graffiti-untypische Reiseziele sind es ja, die für mich einen gewissen Reiz ausmachen und so musste bei Jordanien lediglich der Kalender geprüft werden.

 

Erzähle uns bitte etwas über die Idee hinter diesem Mural. Wie kam es zu „Balim“?

Der anfänglich sehr knappe Zeitplan und der Wunsch, möglichst groß aktiv zu werden, brachte mich dazu, eine Schwarz-Weiß-Lösung anzudenken. Ohne zu weit vorzustoßen und jemandem auf den Schlips zu treten, wollte ich Stärke und Selbstbestimmung der Frau darstellen, zugegeben mit einem Hauch Provokation. Glücklicherweise kenne ich jemanden, der dies verkörpert und bereit war, Modell zu stehen.

 

Gibt es dabei einen besonderen politischen Aspekt oder geht es dir allein um die Kunst?

Ganz am Rande wollte ich natürlich auch etwas kommunizieren, aber nicht mit dem Brecheisen und schon gar nicht auf dem Rücken einer Veranstaltung oder von Menschen, die ohnehin schon mit genug Gegenwind klar kommen müssen, beim Versuch Graffiti und Mural-Art den Leuten näher zu bringen und Plattformen und Lobby dafür zu schaffen.

 

In welcher Umgebung ist „Balim“ entstanden? Wie haben die Leute auf dich und deine Arbeit reagiert?

Die Gegend war, wie zugegeben fast jede in Amman, eine sehr urbane. Wir waren nicht die Ersten, die dort Fassaden gestalteten, und so war das Bett bereits gemacht und auch die Anwohner bereits konditioniert. Das Feedback war durch die Bank positiv. Kinder kicherten und unterhielten sich darüber, Jugendliche machten fleißig Handyfotos, und die Älteren brachten uns regelmäßig Kaffee als ihre Art des Schulterklopfens.

 

Ist „Balim“ ein klassischer Hombre? 

Ja und nein. Man würde generell wohl etwas Bunteres und „Comicmäßigeres“ erwarten, aber der Look ist etwas, das ich bereits mehrere Jahre als Sidestep praktiziere. Allerdings erstmalig in diesem Format ausgelebt in Jordanien.

 

Wie hat sich dein Stil entwickelt in den letzten Jahren?

Ich habe Graffiti nun seit 23 Jahren in meinem Leben und ich denke, man hat nach ein, zwei Jahrzehnten seine Linie gefunden. Was nicht bedeutet, dass es keine Entwicklungen mehr gibt, aber die Schritte werden kleiner und es geht eher um technische Komponenten, Ausarbeiten von Workflow und feinen Nuancen.

 

Gab es besondere Herausforderungen bei der Entstehung des Murals?

Die Größe ist natürlich der Hauptunterschied zu den üblichen Wänden. Man muss die Proportionen in einer deutlich größeren Dimension übertragen und das mit mangelndem Überblick über das Gesamtwerk. Man kann/sollte ja nicht alle 20 Minuten den Hubwagen runterfahren und sich jeden kleinen Schritt aus der Entfernung ansehen. Ein wenig Vertrauen in seine Fähigkeiten und mal zwei, drei Stunden ohne die Absicherung, ob alles passt, Gas geben.

 

Welches Material hast du bei deiner Arbeit verwendet?

Die Wand wurde mit normaler Fassadenfarbe präpariert, alles andere waren Lacksprühdosen von MontanaCans. Gerade bei den Schwarz-Weiß-Portraits liebe ich die transparenten Töne, weil die einfach einen fast exakten Look wiederspiegeln, den man hat, wenn man mit Bleistift und Markern auf Papier arbeitet.

 

Was bleibt dir von dieser Reise und der Arbeit in besonderer Erinnerung?

Ich bin grundsätzlich ein Fan arabischer Städte. Es fühlt sich einfach mehr wie „woanders sein“ an. Die Gerüche, das Leben auf der Straße, das Essen… Amman war definitiv eine beige Stadt 😉 Soll heißen: viel Stein, viel Sand, wenig Grünes. Eine immer brummende Stadt.  Was einen ganz speziellen Eindruck gemacht hat, waren die Gebete, die in regelmäßigen Abständen über die Straße klingen und einen perfekten Soundtrack bilden zu dem Gefühl, mit dem man Amman durchstreift.

 

Welche Projekte stehen bei dir auf dem Plan? Wohin geht die nächste Reise?

Lille in Frankreich ist das nächste. Diesmal als Jury-Mitglied. Danach in die Schweiz zu einem Großauftrag und Helsinki dann im August. Dazwischen freu ich mich noch darauf, für The London Police den Gastgeber spielen zu können, wenn sie im Juli ihre Fassade für Stadt.Wand.Kunst in Mannheim malen.

 

Das Interview mit dem Künstler führte Daniel Reiß
Text: Ole Zimmermann, Fotos: Sören Gerhold

 

 

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