
“IN CONTEMPLATION”, TAXIS , 2026, Rheinvillenstraße 16-18, 68163 Mannheim, Foto: Alexander Krziwanie
Das Mural “IN CONTEMPLATION” von TAXIS in Mannheim
„IN CONTEMPLATION“ heißt das Kunstwerk von TAXIS in Mannheim – das erste STADT.WAND.KUNST-Mural im Stadtteil Lindenhof. Unweit des Rheinufers erstrecken sich bunte, collagenhaft angeordnete Motive über zehn Stockwerke eines Wohnhauses.
Das Gebäude, an dessen Fassade TAXIS zwei Wochen lang arbeitete, blickt auf eine außergewöhnliche Geschichte zurück. Es wurde 1952 von der GBG errichtet und galt damals als höchstes Wohnhaus Mannheims. Die 99 Einzimmerwohnungen waren ausschließlich für alleinstehende, unverheiratete Frauen vorgesehen. Ein Pförtner kontrollierte den Eingang, im Volksmund war das Haus damals als „Drachenburg“ bekannt. Heute leben hier in fünfzig Zweizimmerwohnungen Menschen unterschiedlichster Generationen und Lebenssituationen. Während der Entstehung des Murals verband sie und viele Menschen aus der Nachbarschaft vor allem eines: die Begeisterung für das Kunstwerk. Immer wieder blieben Passant*innen stehen, kamen mit dem Künstler ins Gespräch, brachten Getränke und Wassermelone vorbei, luden ihn zum Essen ein oder verfolgten bei einem Abendspaziergang mit dem Hund die Fortschritte an der Wand. „Noch nie haben derart viele Menschen die Entstehung eines Murals so intensiv begleitet wie hier“, erzählt Kurator Sören Gerhold.
Das Mural entstand im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der GBG Unternehmensgruppe. Gleichzeitig feiert STADT.WAND.KUNST die langjährige Zusammenarbeit zwischen Alte Feuerwache, Montana Cans und der GBG, die 2013 gemeinsam die ersten Schritte des Open Urban Art Museums gewagt haben. Entstanden ist dieses eindrucksvolle, rund 30 Meter hohe Wandbild, eingerahmt von hohen Bäumen. Sichtbar ist es zu Teilen vom Stephanienufer, aus dem Waldpark und von Ludwigshafen aus.
TAXIS, einer der bekanntesten Künstler der internationalen Street-Art-Szene arbeitete Tag für Tag auf der Hebebühne an der knapp 400 qm großen Leinwand. Seine Skizze übertrug er zunächst mithilfe eines Doodle Grids auf die Fassade, anschließend entwickelte er das Motiv frei weiter. Dass sich Farben, Formen und Hintergründe während des Malprozesses verändern, gehört für ihn selbstverständlich dazu: „Ich entwerfe das Bild zwar zu Hause, aber erst an der Wand sehe ich, welche Farben wirklich zusammenpassen.“



Mit Fassadenfarben, Rollen und Pinseln entstand ein Himmel in unterschiedlichen Blautönen, darunter grüne Wiesen, Bäume und Flusslandschaften. Gelbe, rote und grüne Flugzeuge ziehen darüber hinweg. Halsbandsittiche und Krähen schlagen eine Brücke zur unmittelbaren Umgebung. Gleichzeitig bleibt das Bild bewusst offen für Interpretationen: Das Flussdelta könnte überall auf der Welt liegen, die Frau im langen Kleid gehört keiner bestimmten Zeit an – sie wirkt zeitlos.
Gerade diese Figur wirft bei vielen Betrachter*innen Fragen auf. Wer ist sie? Warum lächelt sie nicht? Worüber denkt sie nach? TAXIS beantwortet diese Fragen bewusst nicht eindeutig. „Wenn ich eine lächelnde Frau malen würde, wäre das wie eine Werbeanzeige. Ein Lächeln wäre nicht ehrlich. Ich möchte, dass sie skeptisch wirkt. Sie hält inne. Ich möchte, dass sich die Menschen fragen, worüber sie nachdenkt.“
Auch nach zwei Wochen Arbeit in sengender Hitze auf einer mit drei Sonnenschirmen geschützten Hebebühne in schwindelnder Höhe steht für TAXIS fest, warum er Murals malt: „Ich liebe es einfach. Draußen zu malen lässt mich alles andere vergessen. Ich mag es, müde, schmutzig und verschwitzt zu sein. Dabei fühle ich mich mit allem verbunden. Das ist keine Arbeit – das ist Leben.“
Die Fotos zur Entstehung des TAXIS Murals








Das Mural auf der Karte
Fotos: Alexander Krziwanie